11-15-2018, 02:39 AM
Geschichtliche Informationen
Die Hackerszene aus dem Bereich der Computersicherheit geht historisch zurück auf Phreaking, eine Subkultur, die sich mit der Manipulation von Telefonverbindungen auseinandersetzt, was insbesondere die Möglichkeit bietet, Telefonkonferenzen zu schalten und kostenlose Telefongespräche zu führen. Die Wurzeln dieser Subkultur reichen zurück bis Mitte der 1840er Jahre, als die ersten größeren Telegrafennetze in Betrieb gingen; über 30 Jahre später gefolgt von den ersten Telefonnetzen. Technikbegeisterte Operatoren aus dieser Zeit nutzten ihr Wissen, um das Netz für ihre eigenen Zwecke zu verwenden. Sie gehören zu den Vorläufern jener Hacker. Die Praktiken des Phreaking entwickelten sich allerdings erst mit Aufkommen automatischer Vermittlungsstellen der Telefongesellschaften und erreichten ihren Höhepunkt in den 1970er bis Mitte der 1990er Jahre. Sie blieben nicht mehr den Operatoren vorbehalten, sondern wurden vor allem von eingeweihten Endkunden genutzt.Weiterentwickelt hat sich diese Kultur im Rahmen der Mikrocomputer-DFÜ-Szene der 1980er. Allmählich begann die Entwicklung von Computernetzwerken und die Telefongesellschaften wendeten sich computergesteuerten Telefonanlagen zu. Ein Teil der Telefonhacker entwickelten sich daraufhin zu Hackern der digitalen Computernetzwerke. So entstand die Kultur der Netzwerkhacker oder allgemeiner die Kultur der Hacker auf dem Gebiet der Computersicherheit. Phreaking wurde auch zum Zwecke des Eindringens in fremde Computer betrieben, um die hohen Telefonkosten für langandauernde DFÜ-Verbindungen nicht tragen zu müssen. In diesem Zusammenhang dienten die Praktiken des Phreaking auch dazu, eine Rückverfolgung solcher Aktivitäten zu erschweren.
Blue Box (Phreaking)
Eine Blue Box ist eine elektronische Schaltung, mit der ein 2600-Hertz-Ton produziert werden kann. Dieser Ton wurde von CCITT-v5-kompatiblen Vermittlungsstellen (z. B. in den Vereinigten Staaten, Japan und Frankreich) benutzt, um sich untereinander Gesprächsweiterleitungen anzuzeigen. Beim Phreaking wurden damit kostenlose Telefonate erschlichen. Modernere Vermittlungstechnik lässt das Blue Boxing nicht mehr zu.Entdeckt wurde das Blue Boxing von Joe Engressia. Engressia entdeckte durch Zufall, dass er durch Pfeifen eines viergestrichenen E kostenlose Telefonate führen konnte. Dieser Ton wurde von der damaligen Telefongesellschaft der 1960er Jahre AT&T benutzt, um die Leitungsbelegung zu regeln. Der Bastler John T. Draper erweiterte die Methode mit eigenen Kenntnissen stark und machte daraus unbewusst eine Subkultur des Hackens. John T. Draper nannte sich später „Captain Crunch“, weil der 2600-Hz-Ton auch mit einer Plastikpfeife aus einer Tüte Cap’n-Crunch-Frühstücksflocken erzeugt werden konnte. Er wurde kurze Zeit später vom FBI verhaftet und in Folge zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
Nachdem bei einem Telefongespräch die Gegenstelle aufgelegt hatte, stoppte das 2600-Hz-Signal den Gebührenzähler und eine kostenlose neue Verbindung konnte gewählt werden. Später baute John T. Draper sogenannte Multi-Frequenz-Geräte, mit denen er weitere Töne generieren konnte. Sie wurden zunächst MF-Boxen genannt. Als Draper eine der ersten MF-Boxen dem blinden Jungen Joe schenkte, wollte der die Farbe wissen. Weil John T. Draper den Frequenzgenerator in eine alte blaue Kiste eingebaut hatte, bestand Joe darauf, das Gerät Blue Box zu nennen. Später setzte sich der Begriff Blue Box auch als Bezeichnung für die Methode selbst durch und wurde weltweit als Blue Boxing bekannt.
Neben der Blue Box gab es später noch eine ganze Reihe anderer sogenannter Color Boxes. So gab es die Red Box, mit der man kostenlos aus Telefonzellen telefonieren konnte, indem sie die Töne nachahmte, die auf den Münzeinwurf folgen. Weitere Geräte waren die Aqua Box, die Telefonrückverfolgungen störte, und die Rock Box, die benutzt wurde, um Musik durch das Telefonnetz zu übertragen.
